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BACHELOR - OSKAR

​​Rohfassung.

 

In meinem Bachelorprojekt habe ich mich mit dem Thema Kunststoffrecycling beschäftigt.

Ich untersuchte in der Thesis die besonders verbreiteten Kunststoffarten und die Entsorgungssituation in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern. Da ich Kunststoff in diesem Kontext nicht rein als Abfall und somit als Problem wahrnehmen wollte, sondern als Wertstoff und somit als nutzbares Material, suchte ich nach Möglichkeiten, Kunststoff mit möglichst simplen Verfahren verwerten zu können.

Als mögliches Beispiel der Nutzung untersuchte ich Brillenfassungen, da in Entwicklungsländern häufig nicht nur die Verwertung von Kunststoffabfällen ein Problem ist, sondern auch die zunehmende Fehlsichtigkeit und die eingeschränkte Verfügbarkeit von Brillen.

Normalerweise sind komplexe Verfahren und eine sehr teure Infrastruktur notwendig, um Kunststoffe zu verarbeiten, das Projekt "precious plastic" des niederländischen Designers Dave Hakkens zeigt allerdings, dass es möglich ist, recht simple Maschinen zu bauen, mit welchen man Produkte aus Kunststoff herstellen kann und welche vor allem großteilig aus gängigen Materialien bestehen und nur wenige Elemten benötigen, die man nicht auf einem beliebigen Schrottplatz finden wird.

Für mein Projekt habe ich die von Dave Hakkens entwickelte Spritzgussmaschine nachgebaut und etwas angepasst.

Doch nicht nur die zur Verarbeitung nötigen Maschinen sind sehr teuer, auch die Werkzeuge, also die Formen. In diese wird das aufgeschmolzene Kunststoffmaterial gespritzt und sie sind in der Regel hoch komplex und werden als Stahl oder Aluminium gefräst, was ihre Verfügbarkeit einschränkt und sie vor allem sehr kostspielig macht.

Um dieses Problem lösen zu können, experimentierte ich mit Spritzgussformen aus Hartholz. Sie sind zwar nicht zu präzise wie Formen aus Metall und nicht so langlebig, aber vergleichsweise leicht herzustellen und bezahlbar. Holz ist (wenn auch teilweise eingeschränkt) global verfügbar und es gibt überall Menschen, welche Holz bearbeiten können.

Es sind also nicht zwangsläufig spezielle CNC-Fräsen und teure Materialien nötig, um Spritzgussformen herzustellen.

Oskar - benannt nach Oskar aus der Tonne von der Sesamstraße - ist der Name des Konzepts. Es sieht in meiner Ausarbeitung vor, dass Menschen in Entwicklungs- oder Schwellenländern im Rahmen eines social business, finanziert durch Mikrokredite den Zugang zu Knowhow und nötigen Materialien zum Bau einer (precious plastic) Maschine bekommen.

In gelabelten Sammeltonnen kann Kunststoffabfall gesammelt werden, was sowohl der Rohstoffzufuhr dient, als auch ein erweitertes Bewusstsein für Entsorgung und Verwertung von Kunststoffen fördern soll.
Nun können Ideen entwickelt und Formen lokal aus Holz gefertigt werden. Die Herstellung von Brillenfassungen dient nur als Beispiel, da in diesem Rahmen in Kooperation mit einem Projekt wie EinDollarBrille.de nicht nur das Problem der Fehlsichtigkeit thematisiert werden würde, sondern die Brillen durch Variationen in Farbe und Form vom medizinischen Hilfsmittel zum Identifikationsobjekt werden könnten.

Wenn sich das Business etabliert hat, kann der Mikrokredit zurückgezahlt werden und das Geld so in die nächste neue Existenz investiert werden.

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Vor allem die großen Städte ersticken weltweit in ihren Abfällen. Gut organisierte Entsorgungs- und Verwertungssysteme helfen, der Situation Herr zu werden, doch diese gibt es nicht überall. Häufig wird der Abfall nicht staatlich organisiert entsorgt, sondern Menschen in informellen Jobs nehmen sich des Problems an. Teilweise gibt es faktisch gar kein Entsorgungssystem. Das ist solange recht unproblematisch bie es sich bei den Abfällen nicht mehr um organische Materialien, sondern um Kunststoffe und Schadstoffe handelt handelt.
Doch wächst die Produktion und der Konsum von Kunststoffprodukten und sie finden schneller Verbreitung als ein System, diese wieder loszuwerden.
Ein Schlüsselereignis, welches mich dazu motiviert hat, mich tiefer mit dem Thema Kunststoffverwertung zu befassen, war ein Projekt mit Studierenden der GUC (German University in Cairo) 2016 in Ägypten. Dort haben wir ein Entsorgungssystem auf einer Insel im Nil (Geziret al-Dahab) recht zentral in Kairo installiert und versucht, mehr Bewusstsein für die Wichtigkeit einer geregelten Entsorgung zu schaffen.

Abfälle wurden bis dahin entweder vergraben, in den Nil geworfen oder aufgeschichtet und verbrannt. Da die Kunststoffabfälle mittlerweile einen großen Teil der Abfälle ausmachten, wurde die Situation zunehmend problematisch.

Bachelorprojekt

geprüft von Prof. Harald Steber

und Prof. Martin Middelhauve

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