


Bei dem hier gezeigten Projekt geht es um die Wechselwirkung zwischen Licht- und Körperfarben.
Die oben gezeigte Illusion beruht auf den besonderen Eigenarten der additiven und subtraktiven Farbsynthese. Es handelt sich dabei um eine Art räumliches Stillleben, das durch die Nutzung von speziellen Lichtfarben sein Aussehen massiv verändert.
In der ersten Einstellung ist die Szenerie einem warmen, relativ ausgewogenen Licht ausgesetzt und die Gegenstände reflektieren die Anteile dieses Lichts, so wie wir es zu sehen gewohnt sind.
Die farbliche Irritation in der zweiten Einstellung entsteht dadurch, dass die Gegenstände mit einem Licht angestrahlt werden, das praktisch nur aus einem Spektrum besteht, welches der Komplementärfarbe des Gegenstands entspricht. Es ist also genau das Licht, das normalerweise reflektiert wird, nicht vorhanden, sondern nur das Licht, was normalerweise annähernd komplett absorbiert wird.
Wenn beispielsweise rote Oberflächen mit einem grünen Licht angestrahlt werden, erscheinen sie diffus, teilweise fast schwarz, da im Extremfall kein Licht mehr absorbiert werden kann.
Die Licht- und Körperfarben sind rechts etwas genauer erklärt.
Versuchsaufbau:
Um diese Effekte zeigen zu können brauchte ich ein räumliches Szenario, das für den Betrachter greifbar, vertraut und glaubwürdig ist. Die Suche nach Darstellungsformen kräftiger realer Farben führte mich zu Kunstgattung der Stillleben.
Ich orientierte mich dabei nicht an einem bestimmten Gemälde oder einem bestimmten Künstler, sondern an der Art und Weise der oppulenten Darstellung. Mein Ziel war es, ein möglichst realistisches Stillleben zu kreieren, das eine reale räumliche Tiefe hat und aus echten - bei den Früchten und Blumen auch aus vergänglichen - Gegenständen besteht.
Aus einer zentralen Perspektive sollte es aber die Anmutung eines Gemäldes haben.


Um einen größeren Spielraum für die Lichtsetzung zu haben, entschied ich mich für ein breites Format. Und da zu einem opulenten Stillleben ein entsprechender Rahmen gehört, besorgte ich mir einen passenden alten Goldrahmen im barocken Stil und baute an diesen hinten eine etwa 35cm tiefe Kiste.
Diese kleidete ich mit Molton aus, um möglichst viel des Lichts zu schlucken. Dies hatte zwei Gründe. Einerseits wollte ich die Objekte im inneren quasi „freistellen“, die Lichtstreuung und Schattenwürfe möglichst geringhalten. Andererseits wird durch die lichtabsorbierende Wirkung des Moltons eine sehr diffuse Räumlichkeit erzeugt. Hierdurch ist es schwer einzuschätzen, wie tief der Raum ist, in den man hineinsieht. Das kann die gewünschte plastische, aber zweidimensionale Gemäldeästhetik sehr unterstützen.
Die beste Art diese Illusion zu präsentieren, wäre gewesen, die Kiste in eine Zwischenwand einzulassen, um ihr noch mehr ihrer Räumlichkeit zu nehmen. Man würde vorne an der Wand nur den Rahmen sehen und im besten Falle gar nicht damit rechnen, dass das „Bild“ ein gutes Stück in die Wand hinein ragt.
Um nun mein Stillleben zu drapieren wählte ich diverse Früchte und Blumen, farbigen Stoff, zwei Tierschädel und ein Glas aus und ordnete sie auf bestimmte Weise in meiner Kiste an. Und beleuchtete diese Szenerie mit warmem Licht von vorne schräg von oben, so das Licht, Schatten und Reflektionen den Effekt hatten, den ich erzielen wollte.
Streulicht von außen war immer ein Problem, aber wenn dieses so gering wie möglich gehalten wurde, konnte der gewünschte Effekt beobachtet werden: man konnte nicht mehr genau sagen, welche Farbe die Gegenstände in der Kiste hatten. Form und Textur waren klar und deutlich erkennbar, aber Tomaten und rote Tulpen sahen beinah schwarz aus, Zitronen und gelbe Primeln eher rot.
Die beiden Detailaufnahmen sind farblich nicht nachbearbeitet und kommen dem realen Eindruck am nächsten. Der Effekt war in Wirklichkeit noch etwas deutlicher, lies sich mit einer einfachen digitalen Kamera aber kaum einfangen. Die besten Aufnahmen gelangen tatsächlich mit einer einfachen Handykamera und auch nur ein einer ganz bestimmten Position, da auch diese Kamera mit dem Licht offenbar überfordert war und die Farben völlig verschieden dargestellt hat.

Da ich bei meinen Versuchen die besten Ergebnisse immer mit rein gelben und vor allem roten Gegenständen kombi- niert mit grünem und blauem Licht erzielt habe, ordnete ich nun roten Gegenstände links und rein gelbe Gegenstände rechts in der Kiste an und beleuchtete diese nun durch Ausschnitte oben in der Kiste mit LED-Spots.


Als einen weiteren Effekt baute ich eine kleine Schwarzlichtröhre in meine Kiste ein, da die beiden Tierschädel und das Glas zwar gut zur Ästhetik des Stilllebens passten, aber noch keine neue Ebene bei der unnatürlichen Form der Beleuchtung bekommen hatten.
Ich bemalte die beiden Schädel mit einer transparenten, fluoreszierenden und UV-aktiven Farbe und füllte Tonicwater in das Glas.
Das im Tonicwater enthaltene Chinin reagiert unter Schwarzlicht und leuchtet bläulich oder grünlich.
Eine neue Irritationsebene, ein weiterer interessanter Nebeneffekt des Tonicwater war, dass es die üblichen Grenzen eines Stilllebens aufbrach. Ein Stillleben stellt leblose, regungslose Gegenstände dar, Da Tonicwater jedoch viel Kohlensäure enthält, bewegte sich in dem ansonsten regungslosen Bild nun etwas.

Ich habe mein Stillleben so lang es mir möglich war stehen lassen und versucht den Prozess des Verfalls (das Obst bekam braune stellen, die Blumen verwelkten) festzuhalten. Leider musste ich diesen Prozess schon nach einer Woche unterbrechen, was sehr schade ist, denn es hätte der ganzen Thematik der Stillleben eine weitere Bedeutungsebene gegeben.
Stillleben sind Darstellungen lebloser Gegenstände, häufig Darstellungen des Überflusses, der Fruchtbarkeit, kombiniert mit Symbolen für Vergänglichkeit. Und was ist symbolisch stärker als eine Darstellung von Fruchtbarkeit, die nach und nach vergeht?
